Auszeit im Kloster

„Ein Ort, wo ich nicht reden muss.“

Die erfolgreiche Managerin Monika Petereit verabschiedete sich sieben Tage ins Auszeithaus des Klosters Reute. Eine Woche verbrachte sie dort mit sich allein. Ohne Reden, ohne Termine, ohne To-Dos.

Monika, wann warst du zum ersten Mal im Auszeithaus?

Das war letztes Jahr. Ich war 50 geworden. Stand mitten im Leben. Ich leite eine Firma. Habe Mann und Sohn.

Das klingt nach einem erfüllten Leben. Warum bist du dann ins Auszeithaus gegangen?

Ich war total überlastet. Und ich hatte Probleme, abzuschalten. Ich spürte mich selber nicht mehr. Eine Kollegin brachte mich auf das Auszeithaus.

Kann man dort so einfach hinfahren, wie in ein Hotel?

Nein. Du musst dich bewerben. Dann führt eine Schwester ein Telefongespräch mit dir. Der Orden entscheidet, wer kommen darf und wer nicht.

Wie muss man sich so eine Auszeit vorstellen? Gibt es ein spezielles Programm?

Nein. Und das ist das gute. Wenn ich auf Kur oder zum Wellness gehe, habe ich einen Termin nach dem anderen. Purer Stress – für mich zumindest.

Stimmt. Und wie läuft das im Auszeithaus?

Im Auszeithaus gibt es kein Programm. Du bist allein mit dir. Es waren noch drei andere Leute dort. Aber zu denen hatte ich kaum Kontakt. Zum ersten Mal seit Jahren ein Ort, wo ich nicht reden musste, wo mich keiner ansprach.

Was ich übrigens auch gut fand: Es gibt nicht einmal feste Mahlzeiten. Dreimal auf eine Uhrzeit zum Essen kommen – das ist auch so etwas, was mich sehr stresst. Wenn du magst, kannst du das Mittagessen von der Klosterküche holen. Aber das wollte ich nicht. Der Kühlschrank in der Küche war immer gefüllt. Mit allem, was man so braucht. Auch Getränke konnte man sich nehmen, so viel man wollte.

Wo wir gerade bei der Verpflegung sind: Wie sind die Zimmer, wie wohnt man im Auszeithaus?

Die Zimmer sind sehr schlicht. Das fand ich schön. Du hast ein Bett, Schrank und Tisch. Toilette und Dusche auf dem Gang. Toll fand ich die weiße Bettwäsche: Das war wie früher.

24 Stunden mit sich alleine. Was macht man da den ganzen Tag?

Ich bin spazieren gegangen, zum Beispiel im Klostergarten. Da gibt es ein tolles Labyrinth. Sehr schön und überhaupt nicht abschreckend ist auch der Friedhof. Den nutzen die Schwestern übrigens ganz aktiv. Sie feiern zum Beispiel Feste dort. Um die Verstorbenem daran teilhaben zu lassen.

Ich habe auch am Gottesdienst teilgenommen. Das Singen der Schwestern empfand ich als sehr schön.

Ich habe viel gelesen und geschlafen. Wann ich wollte. Manchmal bin ich nachts aufgestanden und habe zwei, drei Stunden gelesen. Das machte nichts, weil es am nächsten Tag egal war, ob ich bis elf Uhr schlafe.

Nur einen festen Termin am Tag hatte ich: Ich habe mit meinem Sohn telefoniert.

Gab es eine seelsorgerische Begleitung?

Quasi verpflichtend ist ein Gespräch mit einem Pastor. Da hatte ich anfangs Bedenken. Aber die waren unbegründet. Man wird mit nichts bedrängt. Es entwickelte sich von ganz allein ein interessantes Gespräch. Über Gott und die Welt, wie man so schön sagt.

Wer mochte, konnte sich einmal am Tag für eine halbe Stunde mit einer Schwester unterhalten. Die Gespräche mit Schwester Birgitta Harsch habe ich sehr genossen. Sie hat mir von ihrem eigenen Burnout erzählt. Schwester Birgitta hat mein Herzgefühl wieder geweckt. Mir wurde klar, dass ich auf die Alarmzeichen meines Körpers hören muss.

Was hast du aus dem Auszeithaus für deinen Alltag mitgenommen?

In Situationen, wo ich zu viel im Kopf habe, mache ich einen Cut. Ich ziehe mich für ein paar Stunden zurück. In ein Zimmer, für mich ganz alleine. Das wissen und akzeptieren meine Männer.

Vielen Dank für das Gespräch, Monika!

Alle Auszeit-Angebote hier

Bitte weitersagen...