Urlaub im Kloster: Sich selbst wiederfinden

Kloster Hegne Schwester

Das Kloster Hegne gilt als eine der bekanntesten Adressen für Klosterurlaub in Deutschland. Die Kombination aus den Annehmlichkeiten eines Hotels und spirituellen Angeboten ist genau das, was viele Klosterurlauber suchen. Schwester Edith Senn ist seit den Anfangstagen dabei und berichtet im Interview von ihren Erfahrungen.

Was ist Ihrer Meinung nach der Hauptgrund, warum Menschen Urlaub im Kloster machen?

Ich könnte jetzt viele einzelne Meinungen wiedergeben, aber ganz pauschal würde ich sagen: Die Menschen kommen wegen der besonderen Atmosphäre. Sie suchen einen Ort, der landschaftlich anspricht und Ruhe gönnt. Es geht nicht nur um ein anonymes Ein- und Auschecken, sondern um eine besondere Form von Gastfreundschaft. Menschen, die zu uns kommen, möchten wertgeschätzt, wahrgenommen und gesehen werden.

Und die Menschen kommen doch sicher auch, um mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Natürlich. Unsere Gäste erwarten den direkten Kontakt zu uns Ordensschwestern: Begegnungen, Teilnahme an den Gebetszeiten oder Gottesdiensten, Klosterführungen, Bibelmeditation und persönliche Gespräche.

Und was macht nun die besondere Atmosphäre des Kloster Hegne aus?

Die besondere Atmosphäre ist getragen vom Geist der Gastfreundschaft, des Gebets, der Offenheit Gästen gegenüber.

Aber auch die Lage des Klosters. Unsere Gründer, der Kapuziner Pater Theodosius Florentini und Mutter Maria Theresia Scherer, hatten ein gutes Händchen, als sie hier in Hegne, am Ufer des Bodensees, den Grundstein zu unserem Kloster legten.

Die Bodenseeregion bietet vielfältige Möglichkeiten. Ich nenne nur 2 Stichworte: Insel Reichenau – Weltkulturerbe -, und die Blumeninsel Mainau.

Der Ort Hegne ist klein und ruhig. Es gibt nicht einmal Geschäfte. Und diese Atmosphäre spricht unsere Besucher an: Keine Hektik, kein Stress, Ruhe, keine Betriebsamkeit.

Was können Sie den Klosterurlaubern konkret mitgeben?

Es kommen Menschen aller Konfessionen und unterschiedlicher Religionen, aber auch Nichtgläubige oder Menschen, die den Bezug zu ihrem Glauben verloren haben.

Die Menschen wollen bei uns das wiederfinden, was durch unterschiedliche Lebensumstände verschüttet wurde.

Schwester Edith, Sie leiten den Kurs „Im Still-sein liegt Kraft“. Aber es gibt noch viele andere Kurse. Welche Themen sind denn besonders beliebt?

Alle Kurse, bei denen es um Spiritualität geht. Die Menschen möchten etwas für sich tun. Es geht darum, sich selber wieder zu orten, zu spüren, was in meinem Leben wichtig ist. Es geht um „Ich bin wichtig.“ Mein Kurs ist beliebt, ja, ohne Frage, aber die Kreativitäts-Kurse von Schwester Regina sind besonders begehrt und oft schon lange im Voraus ausgebucht.

Aber auch Yoga im christlichen Kontext, Exerzitien und Spurensuche sind bei unseren Gästen beliebt.

Ihr Kloster betreibt mit dem Hotel St. Elisabeth einen vom Kloster autarken Hotelbetrieb. Das ist weniger ursprünglich als andere Angebote, bei denen die Gäste einfach im Kloster mitleben. Welche Besucher kommen zu Ihnen?

Es kommen Tagungsgäste, Menschen die spirituelle Angebote wahrnehmen möchten und Urlauber. Bei uns am Bodensee ist es wirklich sehr schön. Und ruhig. Unsere Gäste können Ihrer Sehnsucht nach Ruhe nachkommen, ohne auf Luxus zu verzichten.

Wir bieten für jeden etwas: Wir sind Tagungshotel, Urlaubshotel und haben spirituelle Angebote.

Wie passt ein Fernseher auf dem Zimmer zu Klosterurlaub?

Lacht. Eigentlich nicht, aber die Hotelverwaltung hat das so entschieden, weil es heute zum normalen Standard gehört. Ich bin der Überzeugung, dass es sehr gut in ein klösterliches Konzept passt, selbst zu entscheiden, wann ich den Knopf ein- oder ausschalte. Das Fernsehen fordert Selbstdisziplin.

Genau, jeder hat ja die Möglichkeit den Knopf nicht zu drücken.

Ich erinnere mich an einen Journalisten. Er war in meinem Kurs „Schweigetage“. Er erzählte mir, dass er viel mit dem Auto unterwegs ist und zur Unterhaltung das Autoradio einschaltet.

Nach dem Kurs rief er mich an, dass er ohne Radio nach Hause gefahren sei. Er wollte weiter in Stille bleiben und die Welt um sich herum wahrnehmen. Die Musikkulisse hätte ihn gestört.

Das hat mich sehr berührt.

Vielen Dank Schwester Edith für das Gespräch!

Weitere Informationen:

Mehr Informationen zum Kloster Hegne hier

Hier finden Sie das Gesamtprogramm des Kloster Hegne

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