Ich bin dann mal weg. Der Film.

Am 24.12. 2015 ist die Verfilmung von Hape Kerkelings Pilger-Bestseller „Ich bin dann mal weg“ in den Kinos angelaufen. Da mir das Buch total gut gefallen hat, aber auch aus beruflichen Gründen, habe ich mir den Film natürlich so schnell wie möglich angesehen.

Worum geht’s? Die Pilgerstory.

Ein übergewichtiger Entertainer bricht auf der Bühne zusammen. Und wacht im Krankenhaus auf. Eines wird klar: So kann es nicht weitergehen. Zu Hause fällt es dem beliebten Entertainer schwer zur Ruhe zu kommen. Das Telefon klingelt ständig, alle möglichen Leite wollen etwas von ihm. Eine Szene weiter erklärt er seiner verblüfften Agentin, er wolle auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela pilgern.

Und dann beginnt das Abenteuer. Zunächst sind es allerhand körperliche Leiden, die der untrainierte Mann durchstehen muss: Blasen an den Füßen, vom Regen durchnässt, und die Unbequemlichkeiten der Unterkünfte. (Die er dann schnell durch Hostels ersetzt.)

Dann sind es vor allem die menschlichen. Auf der einen Seite das Erkannt-Werden von Menschen, die mich nicht kennen will und auf der anderen Seite die unfreiwillige Einsamkeit.

Doch der Kerl hat Durchhaltewillen. Er kommt in Santiago an. Aber das weiß man irgendwie von Anfang an.

Die Gedanken des Hape Kerkeling spielen im Film eine große Rolle. Wie auch im Buch, wird der Zuschauer Gast seiner inneren Zerwürfnisse, seiner Zweifel und seiner Gedanken rund um das Thema „Wer bin ich?„. Parallel zeigt der Film episodische Szenen aus der Kindheit des Stars.

Die Schauspieler

Der Film ist gut besetzt. Devid Striesow als Hape Kerkeling – besser kann man es nicht machen. In weiteren Rollen Martina Gedeck als die undurchschaubare Stella und Karoline Schuch als die Journalistin Lena.

Die Story

Sie Story bleibt erstaunlich nah am Buch. Sie ist schlüssig. In vielen Pilgerforen wird bemängelt, dass der Film nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Kann sein. Kann aber auch sein, dass jeder seine Pilgerreise anders erlebt. Schön finde ich die Erkenntnis des Tages. Manchmal philosophisch, manchmal banal. Wie das Leben eben ist.

Die Bilder

Der Zuschauer bekommt wirklich schöne Landschaften zu sehen. Wahnsinnig viele. Unterschiedliche. Gut gemacht. Auch da kann ich das Gemecker über die „falschen“ Landschaften nicht verstehen. „Ich bin dann mal weg“ ist ein Unterhaltungsfilm und keine TerraX-Dokumentation.

Mein Fazit

Der Film ist unterhaltsam, ein bisschen philosophisch und hat eine Prise Humor. Ich finde er bleibt nah an der Original-Story und ist sorgfältig umgesetzt. Auch Schnabbel und Gerd sind mit dabei.

Also wer akzeptiert, das Pilgern für jeden etwas anderes ist – und nicht immer von Anfang an ein kalkuliertes spirituelles Vorhaben – sollte sich den Film anschauen.

Ich mag, dass der Film den Hype des Jakobsweges ein bisschen aufs Korn nimmt: Die wandernden Massen und die schlechten Herbergen. Ich frage mich immer wieder, warum tut man sich das an? (Und ich meine nicht die körperlichen Strapazen!) In so eine Unterkunft würde sich in Deutschland keiner reinwagen. Und erst die Massen. Man will sich ja meist vom gemeinen Touristen distanzieren, aber auf dem Jakobsweg scheinen andere Regeln zu gelten. Oder man distanziert sich über die Muschel?

Wie auch immer. Film anschauen! Ist einer der besten deutschen Filme von 2015.

 

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Foto: DeathtoStock_NotStock

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