Qigong in Berlin: Sebastian Bauer spricht über Tian Gong

sebastian_bauer_tiangongSebastian Bauer praktiziert seit 2001 Qigong und arbeite als Qigong-Lehrer im Tian Gong Institut Berlin. Er unterrichtet Qigong in Berlin, im deutschsprachigen Raum und europaweit.

Herr Bauer, das Tian Gong Institut in Berlin ist eine Qigong-Schule. Vielleicht können Sie kurz erklären, was ist Qigong eigentlich?

Das Wort Qigong beinhaltet die Begriffe Qi und Gong. Qi ist die Energie, Gong die Übung. Qigong ist kein Sport. Qigong sind Übungen, die Körper und Geist anregen. Vereinfacht ausgedrückt, bei Qigong geht es darum, Energie aufzunehmen, zu verstärken und weiterzuleiten.

Man sagt, beim Qigong werden traditionelle Weisheiten und moderne Themen vereint. Wie geht das?

Der Begriff Qigong ist noch relativ neu. Aus den 50ern. Früher hatten die Übungen fantasievolle Namen. Qigong hat eine körperliche und eine spirituelle Komponente. Bei Tian Gong wird beides betont, wobei wir unseren Schwerpunkt auf die Vermittlung von spiritueller Energiearbeit legen.

Ursprünglich gibt es 60-70.000 Qigong Übungen. Einige gehören inzwischen ins Museum. Aber grundsätzlich ist Qigong universell. Das heißt, die Wirkungen von Qigong sind immer gleich, egal ob ich als Westler diese Übung mache oder als Chinese. Qigong wird in Europa und Amerika immer populärer. Inzwischen wird Qigong auch von den Krankenkassen gefördert.

Welche Wirkungen hat den Qigong?

Der Energieaustausch wirkt gesundheitsfördernd. Nehmen wir an, Sie haben starke Nackenschmerzen. Durch Übungen kommt es zu einer Erstverschlimmerung. Sie spüren ein Kribbeln, Puckern oder Sie merken, dass es an der Stelle warm wird. Das passiert in den ersten 2-3 Wochen und ist individuell unterschiedlich. In dieser Zeit kommt es auch zu Entgiftungserscheinungen, z.B. häufigeres Wasserlassen. Aber schon nach einigen Wochen spüren Sie eine Verbesserung der Symptome.

Was passiert bei Qigong in unserem Körper?

Anders als in unserer westlichen Welt, haben die Chinesen ein energetisches Menschenbild. In der östlichen Lehre wird davon ausgegangen, dass der Mensch Meridiane besitzt. In diesen Energieleitungen fließt das Qi. Jede dieser Leitungen hat Akkupunkturpunkte. Die wichtigsten sind unser Scheitelpunkt und ein Punkt an der Fußsohle. Über diese Punkte wird Energie aufgenommen bzw. abgegeben. Die fließende Energie kann man spüren. Der Mensch ist also „die Verbindung“ zwischen Himmel und Erde. Der Ausgleich hat eine selbstheilende Wirkung.

Haben Sie ein Beispiel für mich?

Zum Beispiel wenn jemand müde ist, hat sich verbrauchtes Qi angesammelt, oder es herrscht ein Mangel an Qi. Durch Qigong wird das Qi ausgetauscht. Sie fühlen sich munter und kraftvoll.

Sie haben von einer körperlichen und einer spirituellen Komponente des Qigong gesprochen. Wie muss ich das verstehen?

Nach unserer Auffassung können wir Körper und Geist nicht trennen. Ein Beispiel. Sie haben immer wieder Ärger mit ihrem Chef. Aber sie können ihren Ärger nicht herauslassen. Wenn das über einen längeren Zeitraum passiert, dann stauen sich Emotionen, in diesem Fall Wut und Frust, an. Das Qi ist blockiert. Und es kann zu körperlichen Symptomen kommen. Mit Qigong können diese Emotionen befreit und daraus resultierende Krankheiten geheilt werden.

Es scheint nicht ganz einfach Qigong zu erlernen. Wie beginnt man?

Tian Gong ist deswegen so beliebt, weil es einfach zu erlernen ist. Sie müssen nicht alle Tian Gong- Übungen kennen. Die Basisübung ist die Bronzeglockenübung. Das Besondere an dieser Übung ist, dass nicht der Mensch die Bewegung ausführt, sondern das Qi führt den Menschen. Es kommt zu willkürlichen, individuellen Bewegungen, die nicht vom Übenden beeinflusst werden.

In unserem Institut folgen nach den „Körperübungen“ die „spirituellen“ Übungen. Wer Qigong erlernen will, sollte täglich etwa eine halbe Stunde üben. Dazu haben wir hier in Berlin im Tian Gong Institut regelmäßige Übungsgruppen.

Kann ich das alleine lernen?

Ja und nein! Die Organ-Übungen von Tian Gong kann man ohne weiteres über eine DVD erlernen. Die Bronzeglocke hingegen kann nur im Kurs erlernt werden. Die Qigong-Lehrer können so auch korrigieren. Manch einer schrickt auch über die Wirkungen, die Qigong erzielt. Da hilft die Begleitung der Gruppe und des erfahrenen Tian Gong-Lehrers. Erst letztens berichtete eine Teilnehmerin, die sonst nie wütend ist, dass Sie nach einer Übung aus der Haut fahren wollte und aggressiv war.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg!

Weitere Information zu Qigong, spirituelle Reisen und das Tian Gong Institut

Über das Tian Gong Institut in Berlin
Qigong und Pilgern: Pilgerreise nach Assisi vomm 11.9. bis 18.9.2016
Kulturreise nach China: In die spirituelle Heimat des Qigong vom 13.10. bis 28.10.2016

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