„Du schaust aus wie ein Indianer.“ Über den Schamanen Wacha Nabi aus München

Wacha Nabi erzählt, wie er zum Schamanismus und zu seinen indianischen Wurzeln gefunden hat und wie er als Schamane in München lebt und arbeitet.

Manfred, Du trägst den indianischen Namen Wacha Nabi. Was bedeutet der Name?

Den Namen habe ich in einer Vision bekommen. Ich konnte mit dem Namen nichts anfangen und so habe ein paar Indianer, die ich kenne, gefragt. Aber keiner hatte eine Idee. Dann bin ich zu meinem Lehrer Devalon gegangen (zu dem hätte ich auch zuerst gehen können, bin ich aber nicht.) Und er kannte den Namen Wacha Nabi. Er sagte: „Das heißt: Heiliger Lehrer, aber bilde Dir darauf nichts ein.“ Devalon ist ein Blackfood-Indianer aus Canada. Und das Wort Wacha Nabi ist von einem Nachbarstamm.

Du bist Schamane. Das wird man ja nicht einfach so. Wie bist Du dazu gekommen?

Schon von klein auf bin ich mit Energiearbeit in Berührung gekommen. Meine Mutter hat Karten gelegt, wahrgesagt und sich mit vielen energetischen Dinge beschäftigt. Das fand ich schon immer spannend. Ich bin dann auch bei einem bolivianischen Schamanen gelandet. Irgendwann war ich mit Freunden in Thüringen und dort habe ich meinen Lehrer Devolon getroffen. Da war für mich alles klar.

Aber Du hast auch tatsächlich indianische Wurzeln…

…von denen ich lange Zeit nichts wusste. Meine Mutter wurde von Pflegeeltern aufgezogen und hat irgendwann ihre Familie ausfindig gemacht. Mein Großvater war ein Chickasaw-Indianer und nach dem Krieg Militärpolizist in München. Später hat die Familie in Wien gelebt. Wir sind dann nach Wien gefahren und haben den Rest der Familie kennengelernt. Ich sagte zu meinem Onkel: „Du schaust aus wie ein Indianer!“  Er lachte und sagte: „Ich bin auch einer.“ Und so haben wir dann unsere Familiengeschichte erfahren. Auch, dass mein Großvater wieder in die USA zurückgegangen ist.

Aber getroffen hast Du ihn nie?

Nein, aber ich war in den USA und habe nach meinen Ahnen gesucht. Das war allerdings sehr schwierig, weil mein Großvater einen Allerweltsnamen dieses Stammes hatte. Trotzdem hat sich mein Aufenthalt sehr gut angefühlt. Es war wie nach Hause kommen.

Du lebst und arbeitest in München. Wie sieht Deine schamanische Arbeit in einer Großstadt aus?

Ich habe in Schwabing eine kleine Praxis. Mache dort Energiearbeit und schamanische Reisen. Aber ich bin auch viel unterwegs. Beispielsweise um Häuser zu reinigen.

Das klingt interessant. Was machst Du da genau?

Oft kommen Menschen zu mir, die sich in Ihrer Wohnung unwohl oder beobachtet fühlen. Das können negative Energien an diesem Platz sein, oder verstorbene Seelen.
Manchmal ist das Haus selber belastet, oder auch der Baugrund. Einmal war ich bei einer Familie, wo immer alles unruhig war, wo viele krank waren. Meine schamanische Arbeit hat dann ergeben, dass das Haus auf einem alten Friedhof aus dem 30jährigen Krieg stand.

Oft reicht es dann, dass ich die Energien ausräuchere. Verstorbene Seelen bitte ich zu gehen. Meist merken es die Kinder zuerst, dass etwas nicht stimmt. Sie sind unruhig, haben Angst, sind aggressiv, können sich nicht konzentrieren oder nicht schlafen. Sie haben noch mehr Kontakt zu ihrer Gefühlsebene. Bei uns Erwachsenen ist die oft überdeckt.

Ein Teil Deiner Arbeit ist die traditionelle Schwitzhütte. Was ist das und wo führst Du die durch? Nicht im Englischen Garten, oder?

Die Schwitzhütte ist ein Reinigungs- und Wiedergeburtsritual. Mein Schwitzhütte steht auf dem Gelände eines Reiterhofs im Münchner Westen, in Puchheim, und besteht aus Weidenruten. Sie hat die Form eines Iglus – die Gebärmutter von Mutter Erde. Wir gehen zurück und lassen uns reinigen im Kontakt mit den 4 Elementen: Das Feuer, das Wasser, die Erde, auf der wir sitzen, und die Luft, die wir atmen. Negatives fließt über den Schweiß heraus, aber nicht alles ist negativ. Manchmal sind es überholte Dinge, die uns begleitet haben. Sie stehen jetzt im Weg und  dürfen gehen. Dabei bitten wir die Ahnen um Unterstützung. Sie geben uns Hinweise oder sind einfach nur da, damit wir nicht alleine sind.

Im Schamanismus geht es vor allem um Visionssuche. Wie kann man sich das vorstellen?

Die Visionssuche ist der Kern des Schamanismus. Schamane gibt es überall auf der Welt und auch die Visionssuche. Wir Schamane verbinden uns mit den Geistern, in Trance oder in einem anderen Zustand. So bekommen wir Hinweise von Ihnen. Sie können ganz unterschiedlich sein: Bilder, Geräusche oder einfach das Wissen über etwas.

Die Visionssuche ist ursprünglich eine Art Reifeprüfung für die Jugendlichen des Stammes gewesen. Sie sollten in der Isolation Klarheit über ihren Weg bekommen. Das ist auch heute noch so. Bei der Visionssuche gehe ich 4 Tage und 4 Nächte in die Natur, ohne Essen, ohne Trinken. Du denkst, „Was zum Teufel mache ich hier? Warum tue ich mir das an?“ Dann bist du schon auf einem guten Weg. Die Visionssuche ist die Überprüfung bestimmter Aspekte im Leben. Ist es noch der richtige Job? Soll ich mich von etwas loslösen? Und dann denkt man nach und bekommt die Antwort.

Du hast eine CD mit einer Indianergeschichte herausgebracht. Worum geht es in dieser Geschichte und für wem ist sie gemacht?

Das ist eine Geschichte für Kinder ab 5 Jahre über einen Indianerjungen, der trotz Handicap seinen Weg findet. Und natürlich wird alles gut. Ich habe die Geschichte in einem Kindergarten vorgespielt und die Kinder waren begeistert. Kinder liegen mir sehr am Herzen.

Vielen Dank Manfred für dieses Interview und viel Erfolg für Deine schamanische Arbeit Wacha Nabi.

Mehr Infos auf der Webseite von Wacha Nabi.

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