Daniel Hauenstein: „Mein Ziel ist, dass Menschen glücklich werden und eigenständig leben.“

Daniel Hauenstein hat sich auf Gran Canaria seinen Traum erfüllt. Seit vielen Jahren betreibt er dort seine Klosterfinca. Die Klosterfinca ist ein Ort, an dem er anderen Menschen hilft, ihren Platz im Leben zu finden. In diesem Gespräch hat verraten, worauf es im Leben wirklich ankommt, dass wir die meiste Zeit fremd gesteuert sind und wie wir glücklich werden. Vielen seiner Klienten hat er schon geholfen. Denn es ist gar nicht so schwer, sein Leben zu ändern. Man muss einfach nur damit anfangen.

Daniel HauensteinDaniel, Du hast mit der Klosterfinca ein spirituelles Zentrum geschaffen. Warum Gran Canaria?

Ich bin mit 17 das erste Mal hier gewesen. Mit 30 habe ich dann Last Minute 14 Tage Gran Canaria gebucht. Als ich wieder nach Hause geflogen bin, hatte ich eine kleine Träne im Auge. Weil mich die Insel so berührt hat. Drei Tage später war ich wieder hier. Ich habe mir ein Mietauto genommen. Und die Schönheit der Insel entdeckt. Nicht die Partymeile im Süden. Gran Canaria hat viele andere schöne Ecken. Das war der Moment, wo ich mich in die Insel verliebt habe.

2008 hatte ich ein Burnout und wusste, dass ich in meinem Leben etwas ändern muss. Ich war buchstäblich reif für die Insel. Ich bin nach Gran Canaria ausgewandert und habe mir peu à peu ein neues Leben aufgebaut.

Gran Canaria ist von Deutschland und der Schweiz nicht so weit weg. In 4 Stunden ist man hier. Es gibt jeden Tag Flüge. Eine sehr gut erreichbare Destination.

Du bist seit vielen Jahren Therapeut und begleitest Menschen in Krisensituationen. Gibt es ein «zentrales» Problem? Etwas, womit viele Menschen zu kämpfen haben?

Es gibt so viele Probleme, wie es Menschen gibt. Aber wenn man genauer hinschaut, gibt es schon etwas Zentrales. Ich glaube das Hauptproblem ist das: Wenn wir auf diese Welt kommen, als göttliches, liebendes Wesen, erleben wir in den ersten 5 Jahren sehr viele schreckliche Momente. Wir lernen, dass wir nicht so geliebt werden, wie wir sind. Wir müssen etwas tun. Wir müssen brav sein. Das Zimmer aufräumen. Gute Schulnoten nach Hause bringen. Das tut weh. Und wir müssen lernen damit umzugehen. Uns zeigt aber niemand, wie wir mit Gefühlen umgehen müssen. Schlussendlich entwickeln wir daraus unsere eigenen Strategien, wie wir überleben.

Nach diesen Strategien und Programmen funktionieren wir heute noch. Egal was wir tun, jeder Mensch rennt einem Gefühl nach: Dem Gefühl geliebt und gesehen werden zu werden. Doch unsere erlernten Programme lassen uns Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht tun wollen. Oder sie verhindern Dinge, die wir gern tun würden. Das sind dann die Blockaden.

Wenn ich genau hinschaue, dann erkenne ich die Programme und kann so Einfluss auf meine Verhaltensweisen nehmen. Krisensituation fühlen sich nicht gut an, aber sie sind wichtige Hinweise darauf, dass wir etwas in unserem Leben ändern müssen. Wie bei einem Feuermelder. Der tut auch weh in den Ohren. Aber nur wenn es weh tut, dann bewegen wir uns. Jedes Problem, dass uns weh tut, ist ein Alarm: «Schau mal hin, da ist etwas nicht in Ordnung»

Die Lösung der Probleme beginnt damit, sich selber zu entdecken, Blockaden und Verstrickungen zu erkennen. Das ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit hier auf der Klosterfinca. Denn die Auflösung von Blockaden und Verstrickungen sind der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben.

Lebenskrisen kennt jeder von uns. Nehmen wir an, ich möchte mich gern beruflich verändern und einen neuen Job finden. Wie könntest Du mich dabei unterstützen?

Das sind mehrere Baustellen die man da anschauen kann. Zuerst würde ich mit Dir herausfinden, was ist Dein Herzenswunsch. Die meisten Menschen wissen gar nicht, was sie wollen. Wir haben aus der Kindheit gelernt, unsere Gefühle zu unterdrücken. Wir spüren uns gar nicht mehr. Wir machen unsere Gefühle mit Süchten weg, wie Alkohol, aber auch mit Dingen wie Fernsehschauen, Sport, mit Facebook. Alles sind Strategien, um nichts fühlen zu müssen.

Unser Gefühl ist der Kompass, der zeigt, wo es hingeht. Aber wenn das verloren gegangen ist, dann wäre der erste Schritt für einen neuen Beruf herauszufinden, wo fühle ich mich wohl, wo fühle ich mich zu Hause. Das Wort Job finde ich nicht gut. Es geht um Berufung, etwas zu finden, was ich gerne machen will.

Und der zweite Schritt ist das Erkennen. Welche Blockaden, Ängste und Glaubenssätze hindern mich daran, meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Wie kann ich glücklich werden?

Der dritte Schritt ist eine rationale Strategieentwicklung, wie man Step by Step seinen Traumwunsch, seinen Traumberuf finden kann.

Viele Menschen sprechen von Life Work Balance. Gibt es denn Möglichkeiten, dass wir unseren Beruf angenehmer erleben?

Den Begriff Work Life Balance finde ich doof. Arbeit und Leben sollte man nicht trennen. Denn Arbeitszeit ist schlussendlich auch Lebenszeit. Sogar die größte Zeit von unseren Leben! Die meiste Zeit in unseren besten Jahren verbringen wir mit Arbeit. Viele Leute sagen, ich arbeite, und dann, wenn ich in Rente komme, dann lebe ich. Das ist aus meiner Sicht ein prekärer Fehler. Also folge Deiner Berufung, dann brauchst Du keine Work Life Balance.

Für die Lösung von Krisen, zum glücklich werden, reicht denn da eine Woche bei Dir auf der Klosterfinca?

Natürlich nicht. In einer Woche ist keine Lebenskrise gemeistert. Aber es passiert sehr viel. Das bestätigen alle Menschen, die hier waren. Wir können hier auf Gran Canaria nur Türen öffnen. In der Woche auf der Klosterfinca geht es darum, den Hinweis auf ein Problem zu erkennen, den Hinweis zu verstehen und erste Schritte für eine Strategieentwicklung einzuleiten.

Die eigentliche Problemlösung findet zu Hause statt. Trotzdem wird hier der Veränderungsprozess angestoßen.

Du sprichst auf Deiner Webseite von «Coaching» und «Therapie». Was ist denn da der Unterschied?

Mir gefällt aber der Begriff «Therapie» nicht, weil er immer etwas mit «krank sein» zu tun hat. Ich benutze lieber den Begriff Coaching. Ich begleite Leute. Ich nehme die Leute an die Hand und begleite sie ein Stück weit ein Stück auf ihrem Weg.

Dazu benutze ich therapeutische Werkzeuge im Coaching: Gesprächstherapie nach Rogers, Hypnose-Therapeutische Ansätze, Systemische Ansätze usw.

Ich trenne das nicht so stark, wie andere das tun.

Du arbeitest mit verschiedenen Methoden. Nun weiß ich, dass man sich zu bestimmten Methoden mehr hingezogen fühlt («das ist meins»). Andere scheinen keine Wirkung zu haben. Wie ist Deine Erfahrung?

Methoden sind Werkzeuge. Wie in einer Werkstatt, ich kann nicht alles mit dem Hammer reparieren. So ist es auch im Coaching. Je mehr Werkzeuge man zur Verfügung hat, um genauer kann man arbeiten. Und dann kommt da noch „das Menschliche“ dazu: Der eine spricht eher auf das, der andere eher auf jenes an. Und je nach Problem ist das unterschiedlich.

Wichtig ist auch das Feingefühl des Coaches, der spürt, welches Werkzeug wie angewendet werden kann, um ein Ziel zu erreichen. Mein Ziel ist, den Mensch dahin zu bringen, dass er sein Leben glücklich und eigenständig leben kann.

Du bietest auch einen Online-Workshop an. Wie funktioniert der? Geht denn Lebensveränderung überhaupt, wenn man zu Hause im Hamsterrad dreht?

Das ist eine Basis. Ich will den Menschen dafür sensibilisieren, wo man überall hinzuschauen kann, um sein Leben zu verändern. Nach welchen Programmen lebe ich? Was gibt es eigentlich, um Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Viele Menschen nehmen sich keine Zeit für den wichtigsten Menschen in ihrem Leben: Für sich selbst. Wir verbringen sehr viel Zeit mit sinnlosen Sachen.

Wer diesen Kurs 30 Tage konsequent macht, wird sehr viel im Leben verändern. Er kann sehen, dass es sich lohnt, sich für sich und sein Leben frei zu nehmen.

Niemand ist für Dein Leben verantwortlich. Du bist der Schöpfer und Gestalter Deines Lebens. Wenn man sich dessen bewusst wird, dann erkennt man, dass man selber Verantwortung übernehmen muss. Wenn man das ausprobiert, dann merkt man, wie mächtig man ist. Es geht auch darum, aus Opfern Gestalter zu machen. Ich kann viel mehr Einfluss auf mein Leben nehmen, als ich mir vorstelle. Je mehr glückliche, verantwortungsvolle Menschen wir haben, umso besser ist unsere Welt. So einfach ist das.

Viele von uns sind gestresst und durch die mediale Welt «überstrapaziert». Hast Du einen Tipp für Menschen, die aus diesem Kreislauf ausbrechen wollen?

Ja, Stress und Leistungsdruck ist sicher zentrale Themen. Mein Tipp ist: Sich Zeit nehmen. Wenn Du Dich nicht bewusst dafür entscheidest, dann wirst du Dein Leben verpassen. Anstatt mir einen Film reinzuziehen, solltest Du Dir das Leben reinziehen. Sich ein paar Fragen zu stellen. Was will ich von meinem Leben? Was habe ich getan, um meinem Lebensziel näher zu kommen? Ist meine Partnerschaft ok? Ist mein Beruf eine Berufung oder nur Job? Kann da etwas ändern? Das betrifft alle Lebensbereiche. Wenn ich das nicht ganz bewusst tue und mir nicht regelmäßig Zeit dafür nehme, werde ich das Leben ganz automatisch verpassen. Weil ich gar nicht dazu komme, mein Leben zu leben.

Nimm Dir jeden Tag mindestens 15 Minuten Zeit für Dich. Geh in Dich hinein und stell Dir die zentralen Fragen. Leg Dir einen Zettel aufs Kopfkissen und beantworte abends vor dem Schlafengehen die zentralen Fragen Deines Lebens.

Also nimm Dir Zeit für Dich und Dein Leben.

Vielen Dank Daniel und weiterhin viel Erfolg für Deine Arbeit.

Aline Sommer

 

Weitere Informationen zur Klosterfinca:

Alle Seminare auf der Klosterfinca Gran Canaria

Seminar Selbstliebe

Befreie Dich von Deiner Vergangenheit

Achtsamkeitsseminar

Frieden mit Deinem inneren Kind

Selbstvertrauen und Stärkung des Selbstwertes

 

 

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