Klosterurlaub ein Trend?

Kloster Hegne - BegegnungIst Klosterurlaub ein Trend?

Klosterurlaub oder Kloster auf Zeit. Etwa seit dem Jahr 2000 etablierte sich diese neue Reiseart.

Bis dahin galten Klöster als Relikte der Vergangenheit. Als Urlaubs- und Erholungsorte spielten sie keine Rolle. Dabei waren Klöster schon immer Herbergen für Fremde. Einige Klöster hatten einen großen Bekanntheitsgrad als touristische Sehenswürdigkeit (Kloster Andechs). Manche waren als Heil- oder Kurstätte bekannt (Kloster Arenberg). Andere Klöster waren und sind Wallfahrtsorte (Kloster Vierzehnheiligen). Doch nur wenige Klöster wurden als Urlaubsorte genutzt, die z.B. für eine Auszeit oder für einen Klosteraufenthalt kombiniert mit einem bestimmten Angebot.

Das hat sich in den letzten 20 Jahren geändert. Mit dem Trend zur Individualisierung und sich von der Masse abzugrenzen, diversifizierten sich die Urlaubsmotive. Erholung allein, reicht schon lange nicht mehr aus. Viele Menschen suchen Erholung im Sport, auch in risikoreichen Sportarten, durch Wellness, in der Kunst, Musik oder Einsamkeit. Um nur einige zu nennen. Einige Menschen suchen ein Kontrastprogramm zu ihrer Lebenswirklichkeit. Den finden sie im Kloster.

Klosterurlaub ist ein Trend. Aber nicht nur der Nachfrager, der Erholungssuchenden. Parallel zu dem Bedürfnis der Menschen nach „Sinnsuche“ und „Selbstfindung“, findet seit einigen Jahren ein großer Wandel in der Klosterlandschaft statt. Insbesondere die Zahl der Ordensschwestern geht dramatisch zurück. Die Orden stehen vor einer großen Herausforderung in Zeiten des Nachwuchsmangels ihre (zumeist sehr großen) Gebäude zu halten und mit Leben zu füllen oder vor der Entscheidung ihr Kloster zu schließen.

Klosterurlaub – ein Rettungsring für notleidende Klöster?

Klosterurlaub ist also eine Möglichkeit Klöster wieder besser zu nutzen und dem Kloster eine wirtschaftliche Existenz zu ermöglichen. Aber nur, wenn auf Seiten der Klöster dem Besucher (und mögen seine Motive noch so oberflächlich erscheinen) mit notwendigem Respekt begegnen.

Aber spirituelles Reisen oder Klosterurlaub als Angebot ist kein Allheilmittel. Die Arbeiten, die durch die Beherbergung von Gästen anfallen, sind personalintensiv. Klosterurlaub funktioniert nur in Orden mit intakter Altersstruktur. Oder mit Hilfe von externen Mitarbeitern.

Doch noch immer sind Klöster wie das Kloster Hegne, wo weltliche Mitarbeiter und Ordensschwestern Hand in Hand arbeiten, eine Ausnahme. Zum einen, weil diese Angebotsform eine große Bereitschaft des Ordens zur Öffnung verlangt.

In den vielen Jahren, in denen ich mich mit spirituellen Reisen befasse, ist mir immer wieder aufgefallen, dass viele klösterliche Gemeinschaften dem Tourismus negativ gegenüber stehen. Ihn gerade zu verteufeln und vehement ablehnen.

Das hat vor allem mit der negativen Assoziation des Begriffs Tourismus zu tun (der ja nichts anderes bedeutet, als „Reisen“). Viele Ordensvertreter trennen ganz strikt zwischen Touristen und ernsthaften Besuchern. Diese Trennung ist einfach falsch. Denn es gibt kein schwarz oder weiß. Wenn Menschen mit dem Gedanken spielen, eine gewisse Zeit ins Kloster zugehen, dann ist dafür ein ganzes Motivationsbündel verantwortlich. Unzählige Gründe, persönliche, ganz weltliche, aber auch spirituelle Gründe, spielen beim Klosterurlaub eine Rolle. Da eine Trennung zwischen ernsthaft und oberflächlich vorzunehmen, greift zu kurz.

Untersuchungen bei der Motivation von Pilgern zeigen, dass sich eine ehemals weltliche Motivation zu einer spirituellen ändern kann. Pilger wurden vor ihrer Pilgerreise nach der Motivation befragt. Nur ein Drittel sprach von religiösen Gründen. Nach der Reise waren es zwei Drittel, die religiöse Gründe angaben. Da passiert offenbar etwas. Für die Klöster heißt das, dass sie durch eine Trennung in Touristen und ernsthafte Besucher ihre Möglichkeiten mehr Besucher zu gewinnen (aber vielleicht auch neue Ordensmitglieder) verschenken.

Wie die Motivationen der Besucher, gibt es viele Möglichkeiten ein attraktives Klosterurlaubsangebot zu schnüren. So lange das Angebot von allen im Ordensmitgleidern getragen wird und man Besuchern offen, mit dem notwendigen Respekt, gegenübertritt. Und so lange das Angebot im Kern die klösterliche Gastfreundschaft beinhaltet. Denn wenn Klosterurlaub kommerzialisiert wird, dann gibt es keinen Unterschied zu weltlichen Klosterhotels. Bei denen wird die Hülle und das ehemalige Kloster-Ambiente für ganz weltliche Angebot genutzt. Aber da finden dann auch Klosterurlauber nicht das, wonach sie suchen.