Spirituell vs. religiös

Königssee - BerchtesgadenImmer wieder merken wir, wie Menschen innerlich zusammenzucken, wenn wir unsere Internet-Adresse www.spiritueller-tourismus.de nennen. Oder uns einfach ratlos anschauen.

Da haben wir uns aber auch zwei schwierige Begriffe ausgesucht! Hier treffen zwei Welten aufeinander: Spiritualität und Tourismus. Eine hochexplosive Mischung.

Das Problem der richtigen Begriffsfindung begleitet uns schon von Anfang an. Bereits während der Diplomarbeitsphase haben wir uns immer wieder Gedanken zum Titel gemacht.  Zunächst haben wir versucht, das Wort spirituell zu vermeiden, um eine klare Abgrenzung zu allem „Nicht-Christlichen“ herzustellen. Der Begriff Spiritualität hat seinen Ursprung in der christlichen Religion. Der Begriff kommt von spiritus (lat. Geist).

Doch seit einigen Jahren wird sprituell nicht nur von kirchlicher Seite breiter interpretiert. Spiritualität bezeichnet auch manchmal etwas Profanes. Auch wird Spiritualität gern mit Esoterik in Verbindung gebracht. Dadurch ist der Begriff auch negativ besetzt. Man weiß nicht so recht, was man damit anfangen soll.

Religiös ist auch spirituell – aber spirituell ist nicht gleich religiös.

Ohne auf die etymologische Begriffsdefinitionen einzugehen und die eher schwierige Bedeutung von spirituell noch zu verkomplizieren, verstehen wir die Begriffe spirituell und religiös so:

  • Spiritualität ist die vom Menschen gelebte Transzendenz, die mit dem persönlichen Glauben, im Sinne geistiger Orientierung, in Verbindung steht. Dabei haben Religions- und Konfessionszugehörigkeit keine Bedeutung.
  • Religiosität ist konkreter als Spiritualität und ist als ein spirituelles Bekenntnis zu einer Religion bzw. Glaubensgemeinschaft zu verstehen. Problematisch ist hier eventuell die Diskussion, wann eine Glaubensausrichtung als Religion verstanden werden kann.

Wer dazu noch mehr lesen möchte, dem sei als Sammelquelle für verschiedene Interpretationen Wikipedia empfohlen.

Für uns bedeutet Spiritualität beispielsweise, dass ein gläubiger Protestant, der transzendente, also grenzüberschreitende Erfahrungen im geistigen Sinne hat, gleichzeitig ein spiritueller Mensch oder religiöser Mensch ist. Andersherum ist jemand, der sich bewusst zu keiner Religion bekennt und trotzdem Selbsttranszendenz erfährt, zwar spirituell, aber nicht religiös.

Beide Begriffe stehen  in Verbindung. Schließlich erscheint es unwahrscheinlich, dass sich jemand ohne spirituelle Erfahrung als religiös bezeichnet.

Ganz nebenbei soll auch unsere Begriffsverwendung den Leser und Besucher ermutigen, das Wort spirituell zu verwenden, um ihm seine zu kurz greifende negativ-esoterische Behaftung zu nehmen.

Unsere Diplomarbeit ist damals unter dem Titel „Religiöses Reisen in Deutschland“ erschienen. In Absprache mit dem Verlag wurde das der Arbeit sehr ähnliche Buch „Spiritueller Tourismus“ genannt. Der Verlag befürchtete mit der Eingrenzung auf „religiös“ nur einen Teil der Zielgruppe anzusprechen.

Und so haben der Einfachheit halber das Webportal auch www.spiritueller-tourismus.de genannt.